zh-hans pl ja it en
In Kalabrien, Land der Kultur und des Weines, der Weinkeller Lavorata 2018-01-03T20:38:14+00:00

9 Scilla RC 3An der extremen Spitze der italienischen Halbinsel, zwischen dem tyrrhenischen und dem jonischen Meer, liegt Kalabrien, getrennt von Sizilien durch das legendäre Meer von Scilla und Cariddi, auf dem Odysseus’ Schiffe fuhren.
Die Besucher können hier eine unberührte Natur und malerische Aussichten genießen; beeindruckend sind im Hinterland die jahrhundertalten Wälder und die vielen Dörfer. Sie wurden auf steilen Felsen erbaut, um leichter vor Überfällen der Sarazenen verteidigt werden zu können, noch heute ähneln sie Krippen.
Ein Land, reich an Geschichte, Kultur und Archäologie, wie ein Freilichtmuseum (nach dem berühmten Archäologen Paolo Orsi). Eine idyllische Reise durch vergangene Zivilisationen windet sich durch das Paläolithikum (dokumentiert durch die „Grotte del Romito“), dem Neolithikum und über die Frühgeschichte, als mit den Pelasgern die Kultur der „Enotria“ (Land des Weines) entstand. Von den Pelasgern stammten die Italer, dieser Bevölkerung verdanken wir die Benennung Italien, die zuerst für den südlichsten Teil Kalabriens und später für das ganze Land verwendet wurde. In den 70ern wurden in Roccella bei Ausgrabungen Funde aus der Frühgeschichte freigelegt; reich ausgestattete Gräber, besonders die der Frauen, beweisen, einen stetigen Kontakt der kalabresischen Küste mit der mykenischen Welt.
12 Monasterace RC Kaulon (1)Ab der Hälfte des 8. Jh v.Chr. (750) kamen von der griechischen Halbinsel Chalkidiki Kolonien und gründeten Reggio Calabria, dann kamen die Achäer und gründeten die Kolonien Sybaris, Kroton, Skilletium, Kaulon und Lokroi (Locri), die ihrerseits Unterkolonien wie Scidro, Terina, Ipponio und Medma an der tyrrhennischen Küste ins Leben riefen. Von Sybaris aus gingen die Kolonien weiter und gründeten Posidonia und dann Paestum. Die genannten Kolonien waren der Ursprung der märchenhaften Zivilisation der Magna Grecia, die nicht minderwertiger als die des griechischen Vaterlandes war. Beweise dafür waren in der Philosophie die pytagorische Schule in Kroton und die juristische Schule in Lokroi (mit dem bekannten Gesetzgeber Zaleukos). In der Bildhauerei dienten mit größter Wahrscheinlichkeit als Inspiration die wunderschönen Werke der beiden Bronzekrieger, aus dem V. Jh v.Chr., die im Meer bei Riace entdeckt wurden.28 Roccelletta CZ Santa Maria delle Roccelle 21 Mit den Kolonien zogen auch die griechischen Sitten, Bräuche und Lebensstile in Kalabrien ein. So wurden die Produktionssysteme, vor allem im Wein­-u. Olivenanbau, eingeführt. Endlose Kriege entstanden aus Zwietracht zwischen den reichen griechischen Kolonien, die zur totalen Ausrottung der Magna Grecia führten. Kroton zerstörte Sybaris, das wiederum die Syrer vernichtet hatten. Diese mörderischen Bruderkämpfe nutzten zuerst die italische Bevölkerung der Brettii (auch Bruzi genannt) und schließlich die Römer, die Anfang des III. Jh v.Chr. an die Meeresenge von Messina kamen. Mit der römischen Eroberung verwandelte sich das Gebiet durch die landwirtschaftliche Entwicklung des Großgrundbesitzes (Latifundium). So entstanden rustikale Villen, die unter allen Gesichtpunkten außergewöhnliche und selbständige Welten darstellten, in denen Öl, Weizen und insbesondere Wein produziert wurden (sh. die Villa von Casignana an der jonischen Küste und der Naniglio in Gioiosa Jonica).
Nach dem Fall des römischen Reiches entriß der byzantinische Kaiser Justinian das Land der Ostgoten und besetzte den größten Teil Italiens. Kalabrien (oder Bruzio) wurde zu einem der größtentwickelten Gebiete des byzantinischen Reiches.
St. Basil, Titularerzbischof aus Neokaisareia (dem heutigen Niksar am Schwarzen Meer, Türkei ) gründete den Mönchsorden der Basilianer. Die basilianische Bewegung wurde in Kalabrien bald sehr bedeutend. In ihrer Blütezeit entstanden 400 Klöster, Zentren von höchster Kultur. Die Basilianer galten auch als außergewöhnliche Landwirte. Sie bauten Weinberge, Olivenhaine und Kastanienwälder an.
In den 90er entstand eine Wechselbeziehung zwischen dem basilianischen Mönchstum und der griechisch­orthodoxen Kirche, insbesondere im Kloster am Athosberg, dem wichtigsten und heiligsten Zentrum der Orthodoxie. Kalabrien gilt als das Heilige Land für den griechisch­orthodoxen Glauben und gab den Einheimischen viele italienisch­griechische Heilige, die noch heute in Griechenland, Russland, Romänien, Bulgarien und Ukraine vereehrt werden; einige von ihnen nahmen selbst an der Gründung des Athosberges teil. Ein sterbende Abt des Klosters am Athosberg soll, aus einer Vision heraus, Vater Kosmas gedrängt haben, nach Kalabrien zu gehen. Mit letztem Atem soll er geflüstertet haben:“ Ich flehe dich an, Kosmas, geh in unser geheiligtes Land, weil es vom Dunkel umgeben ist und von unserem Licht erleuchtet werden muss”.
17 Stilo RC La Cattolica2Und so kam Vater Kosmas nach Bivongi und erhielt von der Stadt die Ruinen des Klosters von St. Giovanni Therestis, welches er mit viel Liebe wiederaufbaute und in die Orthodoxie wiederweihte. Durch verschiedene Ereignisse entfernte sich Vater Kosmas aus „seinem“ Land und wurde nach Anatolien (Türkei) versetzt, wo die Christen heimlich beten mussten und fast eine versteckte Kirche bildeten. 2010 verstarb Vater Kosmas ganz plötzlich in seiner Zelle im Kloster am Athosberg, mit der Hoffnung nach Bivongi zurückzukehren. Noch heute verspürt man den byzanthinischen Geist im Tal des Stilaro, in Bivongi und Pazzano, und lebendig bleibt die Weinproduktion aus Weinstauden griechischen Ursprungs.
In der Weinherstellung haben der Greco nero, der Greco bianco, der Magliocco, der Malvasia, der Inzolia, der Moscatello bianco (Muscarella), der Moscatello nero und der Pedilonga (Gaglioppo) eine besondere Bedeutung. Mit dieser fantastischen Erbschaft konfrontieren sich die Weinkeller Lavorata.
15 Gerace RC Cattedrale 171Ab dem IX. Jh. n.Chr. begannen die arabischen o. sarazenischen Überfälle, und das bedeutete der Beginn des Zerfalls der byzantinischen Zeit in Italien. Zuerst riefen die Byzantinen und dann die Longobarden, (die sich auch in Kampanien niedergelassen hatten) die hervorragenden normannischen Krieger aus Frankreich zur Verteidigung, deren Ursprungsländer Dänemark und Norwegen waren. Unter ihnen waren die Brüder Houteville: Drogo, Wilhelm Eisenarm, Robert Guiscard und Roger besetzten zuerst das südliche Italien, und später auch Sizilien und so ließen sie das starke normannische Reich entstehen.
Ende des 12.Jh. heiratete die 30jährige letzte Nachkommin der normannischen Dynastie Houteville, Konstanze, den 20jährigen Heinrich VI aus dem Geschlecht der Hohenstaufen, Kaiser des Heiligen Römischen­deutschen Reiches und Sohn Friedrich Barbarossas.
Um Konstanze und ihrer vermutlichen Unfruchtbarkeit entstanden Misstrauen und Spekulationen. Am 26. Dezember 1194 kam Friedrich II. von Hohenstaufen in aller Öffentlichkeit zur Welt, der in der Geschichte einen Ehrenplatz als “Stupor mundi” gewann.
Der Konflikt zwischen Friedrich II. und dem Papsttum begünstigte nach dem Tod des Kaisers die Ankunft von Karl von Anjou in Süditalien, der das blühende normannische Reich vernichtete. Die Dynastie der Anjou dauerte ungefähr bis Mitte des 15. Jh. als die Aragonier kamen. Nach einem Krieg zur Vorherrschaft zwischen Franzosen und Spaniern in Italien folgten den Aragoniern die Spanier. Mit ihnen begann die dunkelste Geschichte Süditaliens in der modernen Epoche. Nach den Spaniern kam eine kurze Herrschaft der Österreicher, nach ihnen kamen die Bourbonen, unter denen Süditalien circa 120 Jahre lang eine gewisse Stabilität erlebte und sich wirtschaftlich erholte. 1860 vereinigte die Dynastie der Savoyer aus dem Piemont ganz Italien zu einem Nationalreich, somit wurden die Österreicher aus Kalabrien verdrängt.